Regulierung verstehen: MiCA, Register, Grenzen
Was eine Zulassung wirklich schützt, wie du sie prüfst und wo der Schutz endet.
Ein Regelwerk für die ganze EU
Seit dem 30. Dezember 2024 gilt in allen EU-Staaten die Verordnung (EU) 2023/1114, kurz MiCA. Sie ersetzt den Flickenteppich nationaler Regeln durch eine gemeinsame Zulassungspflicht: Wer Kryptowerte für Kunden verwahrt, handelt, tauscht oder überträgt, braucht eine Zulassung als Kryptowerte-Dienstleister. In Deutschland erteilt sie die BaFin, die deutsche Übergangsfrist für Altanbieter endete nach § 50 KMAG mit Ablauf des 31. Dezember 2025. Eine Zulassung aus einem anderen EU-Staat gilt über den EU-Pass genauso – Kraken aus Irland oder Bitvavo aus den Niederlanden sind für dich rechtlich gleichwertig zu einem BaFin-zugelassenen Anbieter.
Was die Zulassung konkret verlangt
Hinter dem Stempel steht ein Pflichtenkatalog. Artikel 70 verlangt, Kundengelder vom Firmenvermögen zu trennen und bei einer Bank oder Zentralbank zu hinterlegen; der Anbieter darf sie nicht für eigene Geschäfte nutzen. Artikel 75 schreibt einen Verwahrvertrag mit Verwahrstrategie und Gebühren vor, Artikel 71 ein kostenloses Beschwerdeverfahren, Artikel 67 ein Mindestkapital. Wer ein Krypto-Asset öffentlich anbietet, muss nach Artikel 6 ein Whitepaper mit Risiken veröffentlichen. Das sind Mindeststandards, keine Qualitätsgarantie – aber sie machen das Geschäftsmodell eines Anbieters überprüfbar.
So prüfst du einen Anbieter in zwei Minuten
Die Marke auf der App ist selten der Name der zugelassenen Gesellschaft. Kraken tritt in Europa als Payward Europe Solutions auf, Crypto.com als Foris DAX MT, N26 Krypto läuft über die Bitpanda Asset Management GmbH. Schau deshalb zuerst ins Impressum oder in die AGB, wer dein Vertragspartner ist. Dann suchst du diesen Namen im ESMA-Register, das alle zugelassenen Dienstleister EU-weit führt, oder in der BaFin-Unternehmensdatenbank, die auch den EU-Pass nach Deutschland zeigt. Fehlt der Name in beiden, ist der Anbieter für EU-Kunden nicht zugelassen – unabhängig davon, wie seriös die Website wirkt.
Was MiCA nicht leistet
Vier Dinge deckt die Verordnung ausdrücklich nicht ab. Erstens das Kursrisiko: Die europäischen Aufsichtsbehörden warnen, dass die meisten Kryptowerte volatil und hochriskant bleiben. Zweitens die Einlagensicherung: Sie gilt nur für Euro-Guthaben bei einer Bank, nie für Coins – die BaFin stellt das seit Jahren klar. Drittens einmalige Token (NFT) und vollständig dezentrale Dienste ohne Betreiber, die nach Artikel 2 und Erwägungsgrund 22 ausgenommen sind. Viertens Anbieter außerhalb der EU ohne Zulassung: Für sie gilt der Schutz nicht, und sie dürfen Kunden in der EU nicht aktiv ansprechen.
Woran du unseriöse Angebote erkennst
Die BaFin beschreibt das typische Muster betrügerischer Handelsplattformen: Kontakt per Anruf oder Messenger, Druck zur schnellen Einzahlung, angebliche Gewinne im Dashboard und eine Auszahlung, die erst nach einer „Steuer“ oder „Gebühr“ freigegeben werden soll. Das eingezahlte Geld landet dabei nicht auf deinem Konto, sondern in der Wallet der Täter. Die Gegenprobe ist immer dieselbe: Steht der Anbieter im Register? Veröffentlicht die BaFin eine Warnung zu ihm? Geht die Zahlung an ein Konto, das die Plattform nach dem Login anzeigt, oder an eine Verbindung aus einer Nachricht?
Das nimmst du mit
- MiCA gilt seit dem 30.12.2024 EU-weit; in Deutschland braucht seit 2026 jeder Anbieter eine Zulassung – von der BaFin oder per EU-Pass.
- Die Zulassung verpflichtet zur Trennung von Kundenvermögen, zu Mindestkapital und zu einem kostenlosen Beschwerdeweg.
- Prüfen heißt: Vertragspartner aus dem Impressum im ESMA-Register oder in der BaFin-Datenbank suchen.
- Kursrisiko, Einlagensicherung für Coins, NFT und DeFi deckt MiCA nicht ab.
Abschluss-Check
Ein Anbieter hat seine MiCA-Zulassung von der niederländischen Aufsicht. Darf er deutsche Kunden bedienen?
- Nein, dafür braucht er eine BaFin-Lizenz
- Ja, über den EU-Pass gilt die Zulassung in allen Mitgliedstaaten
- Nur, wenn er einen deutschen Firmensitz hat
Antwort anzeigen
Richtig ist: Ja, über den EU-Pass gilt die Zulassung in allen Mitgliedstaaten. Richtig. Eine Zulassung aus einem EU-Staat gilt per EU-Pass überall in der Union. Entscheidend ist, dass der Anbieter im ESMA-Register steht.
Diese Lektion in der Akademie abschließen
Dort löst du den Check interaktiv, dein Fortschritt wird gespeichert und die nächste Lektion freigeschaltet.